#Jung&Politisch: Clara, 21, Aktivistin.

Clara demonstriert friedlich gegen Atomkraft.
© Clara Tempel

Wenn Clara auf ihrem roten Fahrrad um die Ecke auf das Uni-Gelände geradelt kommt, würde man sie eigentlich nicht sofort als Aktivistin erkennen. Sie hat keine Banner oder Buttons dabei, schreit keine Parolen, und auf der Stirn geschrieben steht ihr ihr Aktivistenleben auch nicht. Eigentlich führt sie ein ganz normales Leben: Sie studiert in Lüneburg, trifft sich mit Freundinnen und Freunden und geht ihren Hobbys nach. Nur dass ihr größtes Hobby, die von ihr gegründete politische Jugendgruppe „JunepA“, wohl kein ganz gewöhnliches Hobby ist.

 

Gründung ihrer eigenen Gruppe

 

In der Oberstufe gründete Clara JunepA, was für Jugendnetzwerk für politische Aktionen steht. Im Rahmen eines Projektes in der Schule hatte sie zuvor schon dazu recherchiert, welche politischen Jugendbewegungen überhaupt existieren, und sich für den praktischen Teil spontan dazu entschieden JunepA zu gründen. Denn sie wollte nicht nur über etwas schreiben, das sie gar nicht genau beurteilen konnte, weil sie die internen Abläufe nicht kannte. Außerdem waren ihre Eltern im Gorleben-Widerstand sehr aktiv, Clara kommt nämlich aus dem Wendland, und so wurde ihr das aktivistische Leben quasi in die Wiege gelegt und mit der Muttermilch eingeflößt. Ihre Eltern waren ihre Vorbilder und es war schon von Kindheit an selbstverständlich für sie, mit auf Demonstrationen zu gehen. „Aber natürlich kam irgendwann der Punkt, an dem ich festgestellt habe: ‚Achso, das machen ja gar nicht alle Familien’“, sagt sie und muss grinsen. Daraufhin hat sie das Engagement ihrer Eltern hinterfragt und ist zu dem Schluss gekommen: „Ich finde das gut und wichtig.“

 

Dabei ging es für sie schnell auch nicht mehr nur um das Thema Atomkraft und die Kritik an der konventionellen Energieerzeugung, sondern auch um Themen wie die Aussaat von Gen-Mais. Gegen Gen-Mais hat sie dann, zusammen mit ihrer Klasse, auch ihre erste eigene Aktion gestartet: Sie haben einen Baum mitten auf dem Acker gepflanzt, auf dem die genveränderte Pflanze ausgesät werden sollte, und waren erfolgreich: Der Gen-Mais kam nicht!

 

Aktionen von JunepA

 

Heute organisiert JunepA regelmäßig Aktionen, die zum Beispiel bei Clara in der Küche geplant werden. Die AktivistInnen haben unter anderem im Herbst 2016 die Landebahn des Fliegerhorstes Büchel besetzt, wo amerikanische Atomwaffen gelagert werden und deutsche SoldatInnen regelmäßig an entsprechenden Alarmübungen teilnehmen. Da ihre Aktionen nicht immer ganz legal sind, bleiben sie auch oft nicht ohne Folgen: Clara stand schon öfter vor Gericht, unter anderem für die Blockade der Landebahn in Büchel. Dafür wurde sie zu 30 Tagessätzen wegen Hausfriedensbruch verurteilt.

 

Für ihr Engagement ist die Gruppe dieses Jahr allerdings auch mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden. In der Begründung heißt es: „Die Proteste und Aktionen zivilen Ungehorsams von JunepA sind mutig, kreativ, höchst anerkennens- und unterstützenswert. Zumal sie dazu angetan sind, auch andere junge Menschen beispielgebend zum Mitmachen zu motivieren und anzuregen. […] Mit der Verleihung des Aachener Friedenspreises sollen diese jungen Menschen in ihrer Arbeit bestärkt werden.“

 

Nach unserem Treffen schwingt sie sich auf ihr rotes Fahrrad und düst davon, denn sie muss ja, genau wie Tim Bendzko, noch kurz die Welt retten.

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