Zukunftswerkstätten – Der Exportschlager aus Kulmbach

Wer an Kulmbach denkt, der denkt möglicherweise an nichts. Oder nichts Spektakuläres. Aber es gibt einen Exportschlager aus dem Ort: Das Projekt der Zukunftswerkstätten ist sogar so erfolgreich, dass es es bereits beim Deutschen Engagementpreis unter die Top-Ten geschafft hat, den Wettbewerb „Familienfreundliches Oberfranken“ gewonnen und auch beim „Bayerischen Innovationspreis Ehrenamt“ abgeräumt hat. Wir sehen, die Kulmbacher haben es faustdick hinter den Ohren! Über ihr Konzept und Forderungen in Bezug auf Jugendpolitik haben sie am 9. Juli beim „Bayerischen Tag der Jugend“ in Brüssel diskutiert. Wir haben mit Jürgen Ziegler, dem „Entwicklungshelfer der anderen Art“, über sein Projekt gesprochen.

Das Ganze begann mit einem Anruf des Bürgermeisters der Stadt Stadtsteinach und der Forderung, man könne doch mal was für die Jugend machen. Die Frage, die sich allen Beteiligten, also Bürgermeister, Stadträten und dem Kreisjugendring,  stellte, war allerdings: Was will die Jugend überhaupt? Schnell wurde klar, dass traditionelle Formen, wie zum Beispiel die starre Wahl eines Jugendbürgermeisters, nicht zum gewünschten Erfolg führen würden. Mann musste neue Wege gehen und ein revolutionäres Konzept entwickeln. Um herauszufinden, wie sich die Heranwachsenden ihr Leben und ihre Umgebung vorstellen, werden Jugendliche zur Evaluationsveranstaltung, die natürlich in Wirklichkeit nicht so einen abschreckenden Namen hat, mit einem Brief vom Bürgermeister höchstpersönlich eingeladen und einige auch zusätzlich persönlich eingeladen. „An einem Freitagabend kommen sie dann in eine große Turnhalle“, berichtet Jürgen Ziegler vom Landratsamt Kulmbach, „oder in einen großen Veranstaltungsraum und haben eine erste Möglichkeit, in drei Ecken ihre Meinung kundzutun.“ In einer Ecke werden Ideen zur Umgestaltung des Dorfes gesammelt, was also konkret an Gebäuden fehlt, was weg muss, was schön ist. In der zweiten Ecke geht es um „Deine Freizeit“: Bieten die Vereine ein ordentliches Angebot an? Fehlt ein Angebot? Braucht man einen Jugendtreff? Also konkret alles, was außerhalb der Schule für die Jugendlichen da ist. In den dritten Ecke ist das Thema „Wenn ich König von Brüssel wäre“. Jürgen Ziegler beschreibt die Ecke so: „Da haben wir eine riesige Tischdecke, auf die die Leute alles schreiben können, was ihnen im Kopf rumgeistert.“ Natürlich werden dann alle Ecken durchgewechselt, damit jeder und jedem die Chance gegeben wird, sich zu jedem Thema zu äußern.

Im Anschluss werden die Wünsche der Jugendlichen ausgewertet und es wird geguckt, welche Forderungen besonders häufig aufkamen. Das sind in der Regel Veranstaltungen, Fahrten und etwas in der Art. Die Punkte werden herausgeschrieben, den Jugendlichen gesagt und sie werden gefragt, wer Lust hätte, an einem solchen Projekt mitzuarbeiten – weil der Bürgermeister keine Ahnung von den Themen hat. „Dann kann der Bürgermeister, wenn es um die Umsetzung des Projektes geht, anrufen und sagen: ‚Es geht los, hilf mir bitte.'“, sagt Jürgen Ziegler. Am Ende des Abends stellt sich der Bürgermeister den Fragen, sagt, was er umsetzen kann und gibt erste Versprechen.

Mit diesem Konzept begeistern sie mittlerweile über die Stadtgrenzen hinaus, finden Nachahmer in ganz Bayern und räumen, wie schon erwähnt, einen Preis nach dem anderen ab. Da sieht man mal, wie erfolgreich Jugendpartizipation sein kann.

 

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