Paddeln in der eigenen Vagina #Female Pleasure

© X Verleih AG

Am 8. November startete #female pleasure in den deutschen Kinos. Der Film porträtiert fünf mutige Frauen: intim und berührend, aufrüttelnd und bedrückend. Sie alle sind einen Weg der Befreiung gegangen und erzählen ihre persönliche Geschichte. Der Film geht der Frage auf den Grund, welche Rolle Religion bei der Tabuisierung der Weiblichkeit spielt, er zeigt unterschiedliche Perspektiven auf und überzeugt durch die Nähe zu den ZuschauerInnen, die beim Sehen aufgebaut wird. Erzählt wird ohne Hektik und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit für die Themen, was den Film noch eindrucksvoller werden lässt.

 

 

Und um diese Frauen und ihre Geschichten geht es:

Leyla Hussein wurde als Kind beschnitten. Später wurde sie schwanger, ihr Trauma holte sie wieder ein und schließlich kämpfte sie dafür, dass ihre eigene Tochter nicht beschnitten wurde – und dafür, dass tausende andere Mädchen vor diesem schrecklichen Brauch bewahrt werden. Wer sich schon vorab über das Thema informieren will, kann hier ihren Vortrag beim Oslo Freedom Forum anschauen. Sie muss heute unter geheimer Adresse leben und wurde schon auf offener Straße angegriffen und das nur, weil sie sich für die Rechte der Mädchen einsetzt.

Deborah Feldman wuchs in einer chassidischen Gesellschaft auf, in der Frauen keine Bücher lesen dürfen und nur als potenzielle Gebährmaschinen gesehen werden. Vor ihrer Hochzeit kannte sie ihren Ehemann nicht und nach der Hochzeit wurde sie sofort schwanger. Als sie alle Zwänge nicht mehr aushielt, packte ihre Habseligkeiten in ein Auto und floh zusammen mit ihrem Sohn.

Doris Wagner lebte in einem Orden, in dem Männer und Frauen zusammen lebten und wurde mehrmals von einem Pater vergewaltigt. Sie schaffte es, sich aus diesem Kreis zu lösen, ist heute verheiratet und Mutter.

Vithika Yadav ist die Gründerin von „Love matters“, der ersten Plattform in Indien, die sich mit dem Thema rund um die weibliche Sexualität befasst. Das ist in Indien besonders wichtig, denn wenn eine Frau eine Tochter zur Welt bringt, wird diese als Strafe und Last betrachtet/empfunden. Frauen sind auch weniger wert als Männer, oft werden sie belästigt oder einfach begrabscht. Diese Belästigungen werden den Mädchen und Frauen zudem so vermittelt, dass sie denken, es sei ihre eigene Schuld.

Rokudenashiko ist eine Pop-Art-Künstlerin, die im Namen der Vagina arbeitet. Sie macht Abdrücke ihrer Vagina und daraus entstehen Kunstwerke, unter anderem auch ein Boot, das sie mit dem 3-D-Drucker herstellte und das die Form ihrer Vagina hat – nur eben in groß. Sie möchte damit das große Tabu brechen, das in Japan rund um das weibliche Geschlechtsorgan besteht, das dort als „obszön“ gilt. Obszönität wird kann in Japan mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden, da das Sittengesetzt seit Jahrzehnten nicht geändert wurde. Rokudenashiko stand auch genau deswegen schon vor Gericht, da ihre Kunst als etwas „Böses“ und Obszönes angesehen wurde.

 

An vielen Stellen gelten Frauen während ihrer Periode noch als unrein. In der chassidischen Tradition dürfen Frauen, die menstruieren, nicht einmal ihren Mann berühren, da er dadurch auch unrein werden könnte. Und auch an anderer Stelle sieht es ähnlich aus: Frauen können z. B. kein Buddhatum erreichen, da sie wegen ihrer Periode als unrein gelten.

 

Der Film zeigt eindrucksvoll auf, wo überall noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss und welchen Anteil Religion an der sexuellen Unterdrückung bis heute hat. Außerdem leistet er selber einen wichtigen Beitrag zur Diskussion und dadurch zur Aufklärungsarbeit, indem er starken und mutigen Frauen eine Stimme gibt. Eine Empfehlung auszusprechen, wem der Film gefallen könnte, wollen wir nicht, denn die angesprochenen Themen betreffen nicht nur eine bestimmte Gruppe, sondern die gesamte Gesellschaft und sind darum potenziell auch für alle von uns spannend.

 

Watch the movie!

 

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