Ein Weg ohne den klassischen Leistungssport zur mehrfachen Deutschen Meisterin – im Interview mit Corinna Kaup

Bei dem Wort „Tennis“ denkt vermutlich der Großteil erstmal an das typische Tennisbild. Ein wichtiges Turnier, wie die gerade erst zu Ende gegangenen Australian Open und die Spieler an der Weltspitze. Dabei rücken die einzelnen Tennisvereine des Breitensports, von denen es allein in Deutschland ca. 8640 gibt und die, laut dem Deutschen Tennis Bund (DTB), im Jahr 2025 einen neuen Rekord an 1,5 Millionen Mitgliedern zu verzeichnen haben, schon mal schnell in den Hintergrund.

In einem Alter, in dem ihr Jugend-Vorbild Boris Becker seine Tenniskarriere schon seit neun Jahren beendet hatte, schlug Corinna Kaup erst richtig auf und räumte einen Deutschen Meister Titel im Seniorentennis nach dem anderen ab.

Die in Würzburg wohnende Corinna Kaup steht schon seit sie sechs Jahre alt ist auf dem Tennisplatz. Aktuell ist sie Sportwartin beim TSC-Heuchelhof in Würzburg und engagiert sich sehr für ihren Verein und den Tennisnachwuchs, was ihr viel bedeutet. Obwohl sie Tennis nie als Leistungssport absolvierte, hat sie viele Erfolge und Auszeichnungen im Tennissport (v.a. der Senioren) und in der Vereinsarbeit zu verzeichnen.

Wir wollten mehr über sie, die Vereinsarbeit und ihren Weg zur mehrfachen Deutschen Meisterin im Seniorensport erfahren und hatten die Gelegenheit, ein Interview mit ihr zu führen:

Du spielst schon sehr lange Tennis, in welchem Alter hast Du angefangen, es professionell zu betreiben?

C: Ich habe es tatsächlich nie professionell gemacht. Ich habe mit Jugendtraining angefangen und daraufhin habe ich Einzeltraining bekommen. Als ich zehn Jahre alt war, hatte mein Trainer mich das erste Mal zu Bezirksmeisterschaften geschickt, welche ich auch gewonnen habe. Das war aber alles im Breitensport-Bereich.

Hattest Du ein Vorbild?

C: Am Anfang gar nicht, mit der Zeit Boris Becker. Ich wollte nicht so werden wie er, aber ich fand ihn faszinierend. Vom spielerischen her auf jeden Fall Martina Navratilova. Sie ging sehr oft ans Netz vor und das fand ich immer klasse. Roger Federer ist spielerisch natürlich auch unerreichbar. Martina Hingis mochte ich von ihrer Persönlichkeit her nie wirklich, aber bei ihr sah das Spiel immer sehr leicht aus.

An welches Deiner Spiele bzw. an welchen Moment Deiner Karriere erinnerst Du Dich immer wieder?

C: Das Finale meiner ersten Deutschen Meisterschaft. An das Match habe ich zwar um ehrlich zu sein kaum noch Erinnerungen, weil ich so kaputt war. Meine Gegnerin und ich wären auch mit: „Wer den ersten Satz gewinnt, gewinnt das Match“ zufrieden gewesen, weil es körperlich so anstrengend war.  Wir waren beide total erledigt von unserem Halbfinale und konnten kaum noch laufen. Daran erinnere ich mich noch sehr gut, weil man wie in so einem Tunnel ist. Man kann eigentlich nicht mehr, aber irgendwie funktioniert es dann eben doch.

Wie war es dann für Dich nach einem so anstrengenden Halbfinale und Finale den Titel der Deutschen Meisterin zu holen?

C: Das fühlte sich total surreal an. Generell bin ich erst mit 40 Deutsche Meisterin geworden. Vorher habe ich immer gerne Tennis gespielt, aber mit 40 habe ich dann mit den Turnieren im Seniorenbereich angefangen. Ich hatte zuvor die Bayerischen Meisterschaften überraschenderweise gewonnen und bin daraufhin zu den Deutschen gefahren. Ich hätte nicht gedacht, dass ich weit komme. Ich hatte nur zwei Outfits dabei, eins für Einzel und eins für Doppel. Die Sachen habe ich jeden Abend bei meiner Schwester gewaschen, weil ich plötzlich doch immer weiterkam. Die erste Deutsche Meisterschaft war eine kuriose Reise für mich.

Wie viele Stunden hast Du vor Deiner ersten Deutschen Meisterschaft trainiert?

C: Naja… ich spiele zweimal die Woche für jeweils zwei Stunden Tennis und dann noch einmal ein Mannschaftsspiel. Ich wollte eigentlich nur einmal dabei sein.

Wie viele Titel hast Du gewonnen? Und welche waren Dir persönlich am wichtigsten?

C: Ich habe mittlerweile einige Titel. Ich habe in der Halle und Draußen über zehn Bayerische Meisterschaften gewonnen. Am wichtigsten sind aber die Deutschen Meisterschaften. Da habe ich dreimal Drinnen und zweimal Draußen gewonnen. Zusätzlich dazu noch den Mannschaftstitel, was sehr schön war, da das Match ein Heimspiel für mich in meinem Verein hier in Würzburg war.

Was hat Dich Tennis für Dein Leben gelehrt?

C: Ich bin schon immer ein positiver Mensch gewesen und das kommt auch von Tennis. Ich habe immer das Gefühl, man hat erst verloren, wenn man am Netz gratulieren muss. Alles geben und kämpfen lohnt sich immer. Man wird immer belohnt, auch wenn man nicht gewinnt, sondern sich einfach nur einbringt. Ich mache die Sachen gerne ganz und nicht nur halb.

Welche Regel würdest Du in Tennis ändern?

C: Gute Frage… Mir fällt gerade nicht ein, was ich ändern würde. Nur den Davis Cup würde ich wieder so spielen, wie er früher war. Auch, wenn das nichts direkt mit mir zu tun hat. Mir gefällt Tennis so, wie es ist.

Du bist auch sehr in Deinem Verein engagiert. Was bedeutet Dir die Vereinsarbeit?

C: Ich bin ein Vereinsmensch. Ich bringe mich sehr gerne ein und fühle mich total wohl. Man muss zwar viel Zeit mitbringen, weil man natürlich auch viel für Andere tut, aber hin und wieder kriegt man ja bekanntlich auch ein „Danke“ und dann mache ich das wirklich von Herzen gerne. Das Miteinander finde ich einfach sehr schön. Wer viel einbringt, kriegt auch viel zurück.

Welche Rolle spielt Tennis heute noch in deinem Leben? Neben der Vereinsarbeit.

C: Viel. Ohne Tennis wäre ich körperlich nicht so fit. Abgesehen von Tennis bin ich auf die Fitness bezogen eher „faul“. Durch Tennis habe ich ein Ziel und kann mich doch überwinden Sport zu treiben. Der Tennissport nimmt schon einen großen Teil der Woche ein. Ich finde es auch sehr schön, dass mein Sohn selbst Tennis spielt. Es ist schön zu sehen, dass es dem eigenen Sohn  genauso viel Spaß macht und er auch ein gewisses Talent hat. Das freut einen einfach.

Wenn Kinder oder Jugendliche frustriert sind, weil das Spiel noch nicht so gut klappt. Was sind dann deine Tipps weiterzumachen?

C: Tennis ist keine Trendsportart im Sinne von „man macht es und dann kann man es“. Tennis kann man nie, abgesehen von Federer, der schon. Ansonsten kann man nie richtig Tennis spielen. Man lernt immer wieder neu dazu. Das macht es anstrengend, aber gleichzeitig auch lohnend. Außerdem ist es ein sehr ehrlicher Sport. Wenn man gewinnt, war man selbst am Tag der bessere und wenn man verliert, war man an dem Tag der schlechtere. Das ist sehr ehrlich. Heutzutage ist dieser Gedanke in unserer Gesellschaft schwer zu verstehen, aber man kann viel fürs Leben mitnehmen. Deswegen: Auf jeden Fall dranbleiben und die Tiefs durchleben.

Vielen Dank für das Interview!

Wie man also beispielsweise an Corinna Kaup sehen kann, kann man es mit dem richtigen Ehrgeiz und Talent jederzeit noch zu Titeln im Tennissport bringen, ohne dabei gleich bei den Australian Open aufschlagen zu müssen. Das macht Mut!  

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