Wie viel Herz steckt in einer Textnachricht? Was passiert mit Gefühlen, wenn sie in Nullen und Einsen codiert und durch Glasfaserkabel gepresst werden? Und wie kann man in einer vollständig digitalisierten Welt auch nur ansatzweise zum Ausdruck bringen, wie sehr man jemanden vermisst? Diese Fragen gehen vielleicht der Studentin Kat durch den Kopf, während sie im Kurzfilm „DSC0NNECT_“ (2025) in ihrer futuristischen und isolierten Cyberpunk-Welt versucht, Kontakt zu einem Freund zu halten. Und auch uns haben diese Fragen begleitet – fast ein Jahr lang, während wir in unserer Freizeit neben Uni und Arbeit unser erstes großes Filmprojekt realisiert haben.
Wir, das sind zehn junge Menschen mit den unterschiedlichsten kreativen Leidenschaften. Zusammen haben wir unter dem Namen „RP Project Pictures“ an sieben Drehtagen und in unzähligen Stunden Pre- und Postproduktion die Geschichte von Kat und Ron zum Leben erweckt – jetzt ist sie endlich auf unserem Youtube-Kanal rp_projectpictures zu sehen. Das Projekt ist in Kooperation und mit Unterstützung der Jungen Presse Bayern entstanden, die uns dankenswerterweise ihre Räumlichkeiten in München mehrere Tage für den Dreh zur Verfügung gestellt haben.
Ich selbst mache kleine und größere Filme seitdem ich 14 bin – und den Drang Geschichten zu erzählen hatte ich eigentlich schon immer. „DSC0NNECT_“ ist dennoch auch mein erster öffentlicher Kurzfilm. Und auch wenn ich im August 2024 noch jedem erzählt habe, dass mein Debütprojekt wohl irgendein kleiner zweieinhalb-Minüter wird, bereue ich es kein Stück, dass ich mich im September doch sehr spontan für das 20-minütige Science-Fiction-Drama entschieden habe. Natürlich liebe ich es, Welten zu erschaffen, die es (teilweise zum Glück) gar nicht gibt – es fällt mir aber auch leichter, dort meine persönlichen Geschichten zu erzählen. Das Publikum wähnt sich in der Sicherheit einer fiktiven Welt und ist dadurch oft viel eher bereit für einen Perspektivwechsel – bis es vielleicht realisiert, dass diese dystopische Story viel näher an der eigenen Lebensrealität dran ist als gedacht.
Es gab aber noch einen zweiten, wichtigeren Grund: was Filme für mich so besonders macht, ist, dass sie niemals das Werk einer Einzelperson sind – auch wenn das bei manchen Regisseur*innen oder Produzent*innen gerne so dargestellt wird. Filme sind Gesamtkunstwerke, Ideen, die im Laufe der Produktionszeit von unzähligen Künstler*innen der verschiedensten Fachbereiche interpretiert werden. Mit einem Projekt dieser Größe hatte ich das erste Mal in meinem Leben die Gelegenheit, an einen Film mit ganz unterschiedlichen und wunderbaren Menschen zu arbeiten.
So wurde die Welt von Kat und Ron schon lange bevor die erste Filmklappe beschriftet wurde von verschiedenen kreativen Köpfen zusammengefügt – angefangen vom Kostümdesign von Marlene Pustiowsky, die als frisch gebackene staatlich geprüfte Modedesignerin die einzige Person mit professionellem Background in ihrem Bereich war, über das Set- und Productiondesign bis hin zur Fertigung unserer Requisiten und Setelemente. Beim Dreh erweckten die Schauspieler Annika und Elias dann die Charaktere zum Leben – wieder mit ihren ganz eigenen Interpretationen der Figuren und deren Innenleben. Um einen Film zu einem Film zu machen, fehlt aber noch ein entscheidender Bereich: die Kamera. Vom allgemeinen Publikum häufig übersehen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit unterbewusst wahrgenommen, beginnt die Kameraarbeit die Tonalität und die Wirkung einer Szene zu formen. Dabei geht es nicht nur um die Kamerabewegung, sondern um Lichtsetzung, Wahl des Bildausschnitts, Blocking (Positionierung und Bewegung der Figuren im Bild) und vieles mehr. Zusammen mit unserer Kamerafrau Fenia und meinem unschätzbar wichtigen Regieassistenten Jannik habe ich versucht, unsere Geschichte möglichst wirkungsvoll einzufangen – und hab dabei teilweise auch gemerkt, wie viel es in diesem Bereich noch für mich zu lernen gibt.
Finalisiert wird der Film dann in der Postproduktion – jeder Schritt wieder eine Kunstform für sich. Allein über das Thema Filmschnitt könnte ich einen eigenen Artikel schreiben (vor allem, weil ich den Umfang und die Wichtigkeit bei diesem Projekt anfangs maßlos unterschätzt habe und ungefähr dreimal so lang daran gearbeitet habe wie ursprünglich geplant). Es war aber die Musik von Peter Eichenseer, die der Wirkung des Films den finalen Schliff verliehen hat. Im kommenden Artikel „Drama in E-Moll“ gewährt er selbst einen Einblick hinter die Kulissen seiner Arbeit am Filmscore.
Die Arbeit an „DSC0NNECT_“ war für mich eine wirklich schöne Erfahrung. Nicht nur bin ich ein Jahr lang in meiner Freizeit meiner größten Leidenschaft nachgegangen – ich konnte sie auch mit einem wirklich tollen Team teilen, mit dem es nicht nur Spaß gemacht hat, an unserem gemeinsamen Projekt zu arbeiten, sondern das sich an den Drehtagen auch wie eine wundervolle kleine Familie angefühlt hat.
Und ich durfte eine ganze Menge Anfängerfehler machen und ein riesiges Paket an Learnings mitnehmen. Umso mehr freue ich mich, dass die Rückmeldungen bisher überwältigend positiv ausfallen – besonders Schauspiel, Schnitt und Filmmusik werden hervorgehoben.
Und auch aus dem Plot scheinen viele junge Menschen etwas mitnehmen zu können… vielleicht ist Kats Realität ja doch näher an der unseren, als es auf den ersten Blick wirkt.

