Aus See wird Pfütze

Der Turkana-See, der fast vollständig im Ostafrikanischen Land Kenia liegt, ist mit 6405 km² einer der größten Endseen der Welt. Das bedeutet, dass nur Wasser in ihn hineinfließt und keines hinaus. Eine weitere Besonderheit des Sees ist, dass das Gebiet, in dem er liegt, eine Wüste ist. Der nördlichste Teil des Sees liegt nicht in Kenia sondern im Nachbarland Äthiopien – das sind allerdings nur etwa 23km². Trotzdem droht der See durch Äthiopische Dammbauprojekte gänzlich von der Landkarte zu verschwinden, da alle Zuflüsse des Sees durch Äthiopien fließen. Auf eine stetige Versorgung durch die Zuflüsse ist der See jedoch angewiesen, da er aufgrund des Klimas in der Region ansonsten austrocknen würde. Dieser Effekt wird durch den Klimawandel in Zukunft nur noch verstärkt werden.

Der Turkana-See mit Makwekwes Dorf im Vordergrund © ujuzi.media GmbH

Der Film „Until the Last Drop“ produziert von einem kleinen Team aus Lüneburg, ujuzi.media, machte 2017 auf dieses Problem aufmerksam. Das Filmteam begleitete den Musiker Makwekwe, der in einem kleinen Dorf am südlichen Ende des Sees lebt, auf eine Reise rund um den See. Erst auf der Reise realisiert Makwekwe, welche katastrophalen Folgen die Staudammprojekte für jene Menschen haben, die auf den See als Lebensgrundlage angewiesen sind. Auf seiner Reise trifft er auch eine örtliche NGO, die für den Erhalt des Sees kämpft, jedoch keinerlei Möglichkeiten besitzt gegen die Äthiopische Regierung vorzugehen. Auch die kenianische Regierung geht nicht wirklich gegen die Projekte vor, da sie von den gleichen Investoren abhängig ist, die die Staudämme auf der anderen Seite der Grenze bauen. Derzeit sind bereits drei Dämme fertiggestellt, zwei weitere Projekte sind bereits in Planung.

Schon heute leben im Flüchtlingscamp Kakuma, nahe des Sees, etwa 100 000 Menschen, die auf Grund der Krisen in der Region ihre Heimat verlassen mussten. Die Meisten kommen aus dem nahen Bürgerkriegsland Südsudan. Den Menschen, die vom See leben, droht ein ähnliches Schicksal und Makwekwe ist sich sicher, dass die Kultur seines Volkes unter diesen Umständen nicht überleben kann.

Makwekwe spricht mit einer Nachbarin über den See © ujuzi.media GmbH

Der Zustrom durch den Fluss hat bereits jetzt massiv abgenommen, doch bisher schrumpfte der See „nur“ um wenige Kilometer. Das wahre Problem ist, dass durch die Staudämme die ausreichende Versorgung des Sees mit Nährstoffen verhindert wird. So sinkt die Fischpopulation, auf die die Anwohner angewiesen sind. Die gesamte ostafrikanische Region ist eine sehr instabile Region und wie auch die FilmemacherInnen berichten, sieht man in der Region um den See herum schon heute viele mit Sturmgewehren bewaffnete Männer. Wenn die Lebensgrundlagen der Menschen weiter zerstört werden, wird der Konflikt um die letzten Lebensräume, die der See bietet, immer heißer werden.

Diese von Menschen verursachte lokale Umweltkatastrophe gekoppelt mit dem ebenso durch Menschen verursachten globalen Klimawandel könnte dazu führen, dass die etwa 100 000 Menschen, die auf den See angewiesen sind, ihre Heimat verlieren. Bereits heute leben in Kenia zahlreiche Flüchtlinge aus ganz Ostafrika. Das größte Flüchtlingslager der Welt Dadaab, an der Grenze zu Somalia, gilt mit 250 000 EinwohnerInnen als drittgrößte Stadt des Landes. Viele Lebensräume in Ostafrika wurden durch die zahlreichen Konflikte in der Region also bereits zerstört. Es darf nicht zugelassen werden, dass durch die globale Klimakatastrophe und lokale Umweltkatastrophen, die beide durch Menschen verursacht werden, die wenigen verbleibenden Lebensräume verloren gehen. Jede*r von uns trägt Verantwortung dafür, dass die Region nicht in naher Zukunft ganz unbewohnbar wird.

Der ganze Film ist bei Vimeo online abrufbar.

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