Interview mit Maddie von DariaDaria

Hier trägt Maddie ein T-Shirt ihrer eigenen Marke. © Madeleine Alizadeh

Madeleine (Maddie) Alizadeh gründete 2010 ihren Blog dariadaria, auf dem sie vor allem zum Thema Mode bloggte. Sehr schnell wurde er zu einem der meistgelesenen deutschsprachigen Blogs. Im Laufe der Zeit merkte sie, dass sie nicht länger die Fast-Fashion-Industrie auf ihrem Blog promoten wollte, sondern lieber etwas Sinnvolleres tun: Sie wandte sich der Fair Fashion zu. 2017 beschloss sie, den Fokus ihrer Arbeit auf einen eignen Podcast und in gewisser Weise auch auf Instagram zu legen. Außerdem hat sie ihr eigenes faires Öko-Modelabel gegründet: Dariadéh.

Louisa (JOIN): First things first: Du hast vor 8 Jahren deinen Blog gestartet und bist mittlerweile eine wichtige Person in der fairen Modebranche, du hattest relativ schnell viel Erfolg, hohe Followerzahlen und stehst im Interesse der Unternehmen. Wie reagiert man darauf und inwieweit verändert einen das?

Maddie: Mich persönlich hat es natürlich verändert, so wie jeder Beruf das tut. Reagieren muss man darauf natürlich mit Vorsicht, vor allem was die Unternehmen angeht. Die eigene Integrität steht immer an oberster Stelle.

Es gibt an dem Arbeiten im Fokus der Öffentlichkeit ja immer positive und negative Seiten – du teilst viel deiner Gedanken und deiner Privatsphäre mit deinen Followern. Fragst du dich manchmal nachdem etwas online ist, harderst du auch mal mit Posts/Instagram-Stories und möchtest den Inhalt gerne noch verändern oder wie lernt man 100% zu den Aussagen zu stehen?

Es gibt Inhalte, bei denen ich mir zwei mal überlege, ob ich sie online stelle. Oft würde man Dinge auch im Nachhinein vielleicht anders tun. 100% kohärent ist der Mensch nie, dazusitzen viel viel zu komplex. Wir verändern uns, wir wachsen und alles ist nur eine Momentaufnahme. Ich stehe im Moment immer 100% zu dem was ich mache, verschließe mich aber nicht davor immer wieder zu evaluieren und reflektieren – manchmal lernt man dazu oder ändert seine Meinung. Das ist ja auch das Schöne daran.

Du hast in den letzten Jahren deinen eigenen Modeblog auf Nachhaltigkeit umgestellt, diesen schließlich mehr oder weniger aufgegeben und hast einen Podcast gestartet und zudem auch noch dein eigenes faires Modelabel. Was würdest du sagen, was waren darauf bezogen deine wichtigsten Learnings in den letzten Jahren und Monaten? Und was würdest du jungen Frauen und Männern mitgeben, die Ähnliches vorhaben wie du?

Ich glaube Dinge „einfach zu tun“ ist wichtig. Wir überdenken sehr oft, lassen uns von Ängsten leiten. Vor jedem Vorhaben frage ich mich „was ist das Schlimmste, was passieren kann?“ und dann fällt mir meist auf, dass das Szenario eigentlich auch zu bewältigen wäre. Oft tun wir Dinge nicht und bereuen es dann. Ich habe gelernt auf mein Gefühl und meine Intuition, aber auch auf mein Herz zu hören, das hat mich nie im Stich gelassen. 

Die Mode-Industrie ist der zweitgrößter Umweltverschmutzer – aber wie schaffen wir es, noch mehr Bewusstsein für dieses Problem zu schaffen?

Weil die Umwelt an vielen Orten so verschmutzt ist, packt Maddie auch selber mit an und sammelt Müll. © Madeleine Alizadeh

Sehr guter Punkt. Ich glaube, wir müssen aufklären wo es geht. Der Großteil der Menschen schätzt die Modeindustrie viel harmloser ein. Wir müssen in den Schulen anfangen, aber auch im Freundeskreis, bei der Familie. Alles kann sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Von Seiten der Legislative brauchen wir aber auch eine Veränderung des Systems. Es darf nicht sein, dass Unternehmen unversehrt davon  kommen, wenn sie in Billiglohnländern das Öko System belasten und moderne Sklaverei betreiben.

Wie hast du deine Fair Fashion Marke aufgebaut? Wie bist du an die richtigen Leute gekommen, sprich die Produzenten der nachhaltigen Stoffe, eine Company, die faire Arbeitsbedingungen garantiert, gute Transportmöglichkeiten? Du standest ja wahrscheinlich vor einigen offenen Fragen in dieser Hinsicht.

Man steht vor sehr vielen Fragen und dann gilt es einfach zu recherchieren. Es steckt extrem viel Arbeit drin, die man nicht sieht. Und man lernt irrsinnig viel „on the job“.

Neulich hast du in deinen Stories gesagt, du wärst prädestiniert in die Politik zu gehen. Was spricht für dich absolut dagegen? Und was würdest du an Maßnahmen und Gesetzen auf den Weg bringen, wenn du für eine Woche die Rolle der österreichischen Präsidentin innehättest?

European Youth Event 2018 – #EYE2018 – Debate YOUNG AND OLD: keeping up with the digital revolution ‚ A cross-generational issue: Does social media integrate or isolate? ‚ © Madeleine Alizadeh

Früher habe ich Politik immer ausgeschlossen, inzwischen würde ich mich auch so einer Aufgabe stellen. Dagegen spricht, dass auch der politische Apparat ein sehr starrer, patriarchaler ist. Als junge Frau hat man es in solchen Systemen nochmal schwerer. Ändern würde ich viel wollen, alle Themen, die auch jetzt auf meiner Agenda stehen. Präsidentin wäre ich nicht gerne, das Präsidentschaftsamt hat nämlich wenig Handlungsspielraum. Eher wäre ich an einer Rolle interessiert, die politisch tatsächlich mehr Einfluss auf die Legislative hat.

Welche Art von Respekt wird dir oft nicht entgegen gebracht, über die du dich ärgerst und glaubst du, es hat auch damit zu tun, dass du dich für eine fairere und nachhaltigere Welt einsetzt und dieses Thema von vielen immer noch nicht sehr ernst genommen wird?

Nicht ernst genommen werde ich meistens aufgrund meines jungen Aussehens, meines Geschlechts und des Stigmas, das mein Berufsbild umgibt. 

Welche zwei Personen haben dich besonders inspiriert bzw. inspirieren dich aktuell?

Jane Goodall ist ein irrsinniges Vorbild. Sonst sind es gewöhnliche Frauen, SozialarbeiterInnen, KrankenpflegerInnen, AktivistInnen. Frauen die Berufe ausüben,  Die von unserer Gesellschaft absolut nicht fair entlohnt werden, aber total wichtig sind.

Welche zwei Bücher sind deine absoluten Favoriten, die du auch unseren Leser*innen unbedingt ans Herz legen würdest?

„The Gifts Of Imperfection“ von Brené Brown und „Lean in“ von Sheryl Sandberg.

Im Interview mit der vegan.at sagtest du, dass du gerne einmal einen Gnadenhof mit vielen Seidenhühnern haben willst – ist das immer noch der Plan?

Total gerne! Schafe, Schweine und viele Hunde wären auch noch cool.

Hast du eine Zukunftsvision? Was denkst du, ist die Lösung für die Ungleichheit in unserer Gesellschaft und den Klimawandel? Gibt es DIE Lösung für dich? Und was würdest du dir von den Menschen wünschen? Was kann jede*r Einzelne tun?

Es gibt keine schwarz weiß Lösung, das wäre ein zu populistisches Statement. Ich glaube aber, dass uns mehr Empathie und Weitsinn helfen würden, Probleme unserer Zeit zu lösen.

Welche Frage wolltest du immer schon beantworten?

Ich habe an dieser Stelle eher eine Frage, die ich anderen Menschen gerne öfter stellen würde. „Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?“

Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an dich, liebe Maddie, dass du dir die Zeit genommen hast, auf unsere vielen Fragen zu antworten!
Wenn ihr noch mehr zu Maddie wissen wollt, hört euch ihren inspirierenden Podcast „A Mindful Mess“ an, schaut mal auf ihrer Website oder auf ihrem Instagram Account vorbei. (Den Podcast gibt es auf Soundcloud, Spotify oder iTunes.)

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